Nur drei einheimische Arten
Die ursprüngliche Verbreitung der drei mitteleuropäischen Flusskrebsarten ist stark geprägt durch die Eiszeiten. Mit dem Rückzug der Gletscher am Ende der letzen Eiszeit vor ca. 13.000 Jahren fiel der Startschuss für die nacheiszeitliche Wiederbesiedlung Mitteleuropas. Ausgehend von den Süd- und Osteuropäischen Eiszeit-Refugien breiteten sich die Flusskrebse entlang der großen Gewässersysteme nach Norden und Westen aus. Zurückweichende Gletscher und auftauende Permafrostböden hinterließen große, vernetzte Gewässersysteme und Ost-West Verbindungen zwischen Flusssystemen die heute voneinander isoliert sind. Auf diesem Weg gelang es z.B. dem Steinkrebs neben dem Donausystem auch in Gewässer des Rheinsystems und eventuell sogar bis in das Elbe-Gebiet vorzudringen.
 | | Abb. 2: Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) | |
 | | Abb. 3: naturbelassenes Steinkrebshabitat | |
Die Arten im Detail
Der rot- bis schokoladenbraun gefärbte Edelkrebs (
Astacus astacus - Abb.1) ist der größte heimische Flusskrebs. Er ist die ehemals häufigste Art im mitteleuropäischen Tiefland und akzeptiert mit Seen, Teichen und Flüssen verschiedene Gewässertypen. Der Edelkrebs ist der bedeutendste heimische Speisekrebs und wurde bereits früh vom Menschen in verschiedene Regionen Mittel- und Nordeuropas eingeführt, in denen er natürlicherweise nicht heimisch war. Heutzutage wird er in speziellen Krebszuchten vermehrt, und es gibt Bemühungen ihn in geeigneten Gewässern wiederanzusiedeln.
Der deutlich kleiner bleibende Dohlenkrebs (
Austropotamobius pallipes) ist die natürlicherweise seltenste Flusskrebsart in Mitteleuropa und die Bestände in Baden-Württemberg sind die einzigen in Deutschland. Wie der Edelkrebs war er ursprünglich in verschiedenen Lebensräumen anzutreffen, die heutigen Bestände konzentrieren sich aber meist auf intakte, naturnahe Fließgewässer.
Die dritte heimische Art, der Steinkrebs (
A. torrentium - Abb.2) ist ein Lebensraumspezialist, der auf saubere, strukturreiche und naturnahe Fließgewässer angewiesen ist (Abb.3). Wegen seiner hohen Habitatansprüche ist er besonders anfällig für Lebensraumverschlechterung.
Alle heimischen Flusskrebse stehen auf der Roten Liste und sind im Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) aufgeführt und damit EU-weit geschützt. Steinkrebs und Dohlenkrebs sind zudem im Anhang II gelistet und die EU Mitgliedsstaaten sind verpflichtet zu ihrem Fortbestand eigene Schutzgebiete auszuweisen. Zusätzlich unterliegen Flusskrebse dem Fischereirecht, wobei die genauen Bestimmungen je nach Bundesland variieren.
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| Abb. 4: aktive Neozoenbekämpfung |
Eine Delikatesse
Flusskrebse sind seit der Antike eine geschätzte Delikatesse (Abb. 4) und bis Ende des 19.Jahrhunderts waren sie noch annähernd flächendeckend in Mitteleuropa zu finden. Noch heute zeugen viele Gewässernamen (`Krebsbach´) von diesem ehemaligen Reichtum und für viele ältere Menschen zählt der Krebsfang zu den liebgewonnenen Jugenderinnerungen. Der Rückgang der Krebspopulationen begann spätestens mit der Industrialisierung, als unsere Gewässer in großem Maßstab verunreinigt wurden. Später trugen Flurbereinigung, Gewässerverbauungen und- Begradigungen dazu bei, dass der Lebensraum für unsere heimischen Flusskrebse weiter schwand.
Diversitätszentrum: Ort, an dem sehr viele ähnliche Arten entstanden sind