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| Diese Art kann man einfach an den im geschlossenen Zustand klaffenden Scheren erkennen |
Auch die Gattung
Geosesarma gehört eigentlich zu den Sesarmidae, die man Mangrovenkrabben nennen könnte. Allerdings haben die meisten Arten in dieser Gattung, zu der auch die „Vampirkrabben“ gehören, eine sogenannte direkte Entwicklung: Die Larven durchlaufen im Ei unter dem schützenden Pleon der Mutter alle Stadien und schlüpfen als fertige Jungkrabben. Nicht so bei
G. perracae, der „Borneo-Zwerglandkrabbe“: Hier findet eine „verkürzte Entwicklung“ statt, das heißt weniger freie Larvenstadien als üblich, zudem im Süß- und nicht im Meerwasser. Es handelt sich quasi um eine Zwischenlösung innerhalb von normaler Entwicklung im Meerwasser und direkter Entwicklung im Süßwasser (beziehungsweise an Land), Evolution zum Anschauen.
Da die meisten
Geosesarma also echte Süßwasserkrabben sind, könnten die Taxonomen in der Zukunft überlegen, ob sie in der Familie Sesarmidae richtig aufgehoben sind. Zudem sieht man an den verschiedenen Fortpflanzungsstrategien, dass die Gattung nicht monophyletisch sein dürfte –
G. perracae und
G. hednon sowie
G. maculatum, die anderen Arten, welche keine direkte Entwicklung aufweisen, dürften also irgendwann aus der Gattung
Geosesarma in eine andere, neue Gattung gestellt werden.
Geosesarma perracae (Nobili, 1903)
G. perracae ist eine Tieflandart, die man im ganzen südlichen Malaysia – wozu auch der nördliche Teil Borneos (Kalimantan) gehört – und Singapur findet. Dort wurden auch die Typusexemplare gesammelt, welche dann zuerst bei Frau Dr. M. G. Perraca landeten, nach dem die Art schließlich vom Erstbeschreiber Nobili benannt wurde. Besonders in Süßwasser-Sümpfen und an kleinen Bächen soll die „Borneo-Zwerglandkrabbe“ zu finden sein.
„Die Tiere sind semiterrestrisch, graben tiefe Bauten im weichen Matsch gut beschatteter Bereiche in den Flussbänken“, berichtet Prof. Peter K. L. Ng von der National University of Singapore. Ihre Höhleneingänge würden regelmäßig von herabfallendem Laub bedeckt. Kleinere Exemplare wandern demnach auch tagsüber umher, während adulte Tiere üblicherweise nur nachts auftauchen, um nach Nahrung zu suchen.
Die kleinen Krabben werden als sehr agil beschrieben.
 | | Die Weibchen sind weniger kräftig rot gefärbt |
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 | | Man kann die Tiere ohne größere Probleme vergesellschaften |
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Haltung im Terrarium
Es sind hauptsächlich Aasfresser, die als „sehr anpassungsfähig im Terrarium“ gelten, auch hier graben sie die charakteristischen Wohnhöhlen. Soh (1969) hat ihre Lebenshistorie dokumentiert und herausgefunden, dass aus den großen Eiern dieser Art große und weitentwickelte Zoea-Larven schlüpfen, die ihre Entwicklung im Wasser am Grund der Gänge vollenden.
Im Verbreitungsgebiet kommen ebenfalls
G. nemesis, Johora singaporiensis, Irmengardia johnsoni, Parathelphusa maculata und
Varuna litterata vor.
G. perracae ist gut an den für
Geosesarma untypisch stark klaffenden äußeren Hälften der Scheren selbst bei noch kleineren Männchen von anderen Arten zu unterscheiden.
Die verwandte Art
Geosesarma malayanum (Ng & Lim, 1986) wurde zweimal bei der Nahrungssuche in Krügen der schmalen Kannenpflanze
Nepenthes ampullaria beobachtet. Zwar gilt diese Krabbe als nepenthiphil, also assoziiert mit
Nepenthes-Arten, aber sie wurde auch in anderen Lebensräumen weit entfernt von
Nepenthes-Pflanzen gefunden. Sie sucht offenbar in den mit Verdauungssäften gefüllten Kannen nach Nahrung.
 | | Der Carapax von oben |
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 | | fast verschämt verbirgt sich dieses Männchen hinter dem Holzstück |
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Kannenpflanzen und Krabben
Auch
G. perracae wurde jetzt in einem Krug von
Nepenthes ampullaria beobachtet. Diese 1819 entdeckte Pflanze hat am Boden ihre Kannen, manchmal halb vergraben im Blattlaub, wächst aber auch bis zu 15 Meter hoch, gehört damit zu den größten Kannenpflanzen überhaupt. Sie ernährt sich im Gegensatz zu den meisten anderen Arten der Gattung
Nepenthes nicht nur von Insekten, sondern vor allem von herabfallenden Teilen von Pflanzen, kleinen Tieren und Kot von Vögeln und anderen Lebewesen.
Nepenthes ampullaria gibt es in drei Farbvariationen, mit grüne Kannen, mit rot-melierten und mit ganz roten Kannen.
Während der Beobachtung einer bodennahen, rotmelierten Kanne hat Professor Ng nun gesehen, wie sich ein Laubblatt in dem Krug zu bewegen schien – es war ein großes Männchen der Krabbenart
Geosesarma perracae mit 11,6 Millimetern (mm) Panzerbreite.
Zugleich wurden in dem Pflanzenkrug aquatische Larven von Fliegen und Mücken gefunden, wie es üblich ist. Die Kanne, in welcher die Krabbe gefunden wurde, hatte eine Höhe von 63 und eine Breite (am Lid) von 47 mm. Zuvor hatte man
G. perracae regelmäßig nach Nahrung suchend nahe den Bodenkrügen dieser Pflanzen gefunden, aber nicht in ihr.
G. perracae gilt somit als zweite nepenthiphile Spezies und die erste dieser Art in Singapur. Verschiedene andere
Geosesarma-Arten wurden bereits dabei beobachtet, dass sie auf Pflanzen klettern, namentlich
G. nemesis, G. scandens und
G. cataracta, aber auch
G. perracae wurde schon auf einem Blatt einen Meter über dem Boden entdeckt.
Ein Besucher des Portals Panzerwelten.de, Uwe Dölling, konnte sein Pärchen
G. perracae „immer wieder beobachten, wie sie alle zwei bis drei Tage in die Kelche der Pflanzen geklettert sind und nach wenigen Sekunden wieder herauskamen“. Im Wasserteil seien sie selten zu finden gewesen, hätten sich aber die üblichen Höhlen in den Boden gebuddelt. Dass die Krabben jedoch auf die Verdauungssäfte der Pflanzen angewiesen sind, um zu überleben, darf bezweifelt werden.