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26.02.2010
Fischtuberkulose
Erfahrungsbericht und Themenrecherche
Irene Labner

Ich möchte mit diesem Artikel meine eigenen Erfahrungen bezüglich der Fischtuberkulose veröffentlichen und zudem mit einem der größten aquaristischen Irrtümer aufräumen, nämlich, dass diese Erkrankung selten sei und zudem nur unter schlechten Haltungsbedingungen auftreten kann.
Da ich leider kein Tierarzt bin, kann ich mich, nebst meinen eigenen Beobachtungen und den Informationen meines Veterinärs, nur auf Literatur (vorzugsweise aus dem Internet) stützen, welche ich als Literaturanhang zu jedem Punkt zusammentragen werde.


Zur Symptomatik:

Roland Bauer schreibt: «..Die Infektion mit Mycobakterien bei Fischen ist eine typische Haltungskrankheit, die nur ausbricht, wenn ungünstige Lebensbedingungen herrschen (ähnlich wie bei der Lungentuberkulose beim Menschen), und trotzdem ist sie die gefährlichste aller Infektionskrankheiten bei Aquarienfischen. Fischpathogene Mycobakterien sind weit verbreitet und in fast allen Aquarienfischen nachweisbar. Davon ausgenommen sind frisch importierte Wildfänge, die meist nicht, selten schwach infiziert sind. Nachzuchten bestimmter Fischarten aus Massenzuchtbetrieben (z.B. Schmetterlingsbuntbarsche und manche Salmlerarten) zeigen dagegen oft eine Masseninfektion an Mycobakterien, an denen sie nach zusätzlichem Stress infolge Fang, Transport und Wasserwechsel innerhalb kurzer Zeit eingehen...»

Typische Symptome bei einem Salmler
Typische Symptome bei einem Salmler

In gut gepflegten, jedoch nicht sterilen Aquarien bricht die Krankheit selten aus (Beide Fotos: J.Lindner)
In gut gepflegten, jedoch nicht sterilen Aquarien bricht die Krankheit selten aus (Beide Fotos: J.Lindner)



Anfänglich erschien mir die Symptomatik noch harmlos, denn ich beobachtete gelegentliches Scheuern und gehäuftes Luftschnappen an der Wasseroberfläche bei meinen Goldfischen.
Ich vermutete daraufhin hartnäckigen Kiemenwurmbefall und behandelte das Becken mit verschiedensten Mitteln gegen Gyrodactylus und Dactylogyrus und Kochsalz-Kurzbädern. Doch die Symptome verschwanden nicht und so befürchtete ich, dass meine Fische mit irgendwelchen exotischen Würmern befallen sein könnten, weshalb ich Kontakt zu einem Tierarzt der veterinärmedizinischen Universität Wien aufnahm.
Er forderte mich auf ihm Kotproben aus meinem Becken zu senden.
Gesagt, getan – ich versuchte möglichst frische Kotproben zu erwischen und packte sie mitsamt einer Schleimprobe von einer Kiemenspülung in kleine Plastikdöschen für Filmrollen, dann schickte ich sie an das Institut.
Bereits am Tag darauf bekam ich seinen Rückruf, und er sagte zu mir, dass er keinerlei Parasiten feststellen konnte, aber er hätte herausgefunden, dass meine Fische den Tuberkulose-Erreger in sich tragen. Dann fügte er noch an, dass die Proben meiner Goldfische etwas stärker durchseucht wären als die meiner Ancistren, weshalb ich vielleicht bisher nur bei den Goldfischen Symptome beobachten konnte.

Als Rat gab er mir mit, dass die Tiere unter optimalen Wasserbedingungen unter Umständen noch relativ lange zu leben hätten und man so das Endstadium hinauszögern könne, und wenn mein Becken dann einmal leer ist, dann müsse man es vor einer Neubesetzung gründlich desinfizieren.
Der Tierarzt meinte außerdem, dass Fischtuberkulose leider die häufigste Erkrankung von Zierfischen ist. Man kann dieser Erkrankung sogar von einem Aquarium ins nächste übertragen, wenn man nur immer mit demselben Kescher hantiert.
Ein von TBC ausgezehrtes Moderlieschen
Ein von TBC ausgezehrtes Moderlieschen
Bei der Sektion wird deutlich: bis auf Darm und Schwimmblase ist kaum noch ein Organ zu erkennen.
Bei der Sektion wird deutlich: bis auf Darm und Schwimmblase ist kaum noch ein Organ zu erkennen.


Bei der Sektion eines meiner Goldfische fallen Tuberkel an den Darmschlingen und anderen Organen auf (linkes Bild), sowie eine geschrumpfte Leber voller Tuberkel, sowie zwei große weiße Cysten mit ca. 5-7mm Durchmesser unterhalb der Schwimmblase (rechtes Bild):

Tuberkel in den Darmschlingen und anderen Organen
Tuberkel in den Darmschlingen und anderen Organen
Zwei große Cysten unterhalb der Schwimmblase
Zwei große Cysten unterhalb der Schwimmblase



Der sezierte Goldfisch in den oberen beiden Bildern, lebte nach der Diagnoseerstellung dank optimierter Haltungsbedingungen noch etwa 3 Jahre ohne erkenntliche äußere Symptome. Erst an den letzten zwei Tagen bevor ich ihn einschläferte, entwickelte er eine starke Schwäche, sowie Schuppensträube.


Mykobakteriose: Zur Theorie

Fischtuberkulose wird verursacht von verschiedenen Stämmen von Mykobakterien, vor allem M. marinum, M. fortuitum und M. chelonai.
Als J.D. Aronson 1926 einige tote Meerwasserfische des Aquariums in Philadelphia (USA) untersuchte, entdeckte er den verkapselten Erreger in den Organen der Fische und nannte diesen “Mykobakterium marinum”. Er führte in Folge eine Reihe von Versuchen an verschiedenen Spezies durch, wobei er herausfand, dass dieses Bakterium unterschiedlich schädliche Effekte auf die unterschiedlichen Tierarten hatte – während auf Goldfische, Frösche, Tauben und Mäuse einen lethalen Effekt hatte, zeigten sich weit weniger gravierende Auswirkungen auf Meerschweinchen und Kaninchen.
Inzwischen weiß man auch um die Auswirkungen auf den Menschen:
Menschen mit empfindlichem Immunsystem können sich z.B. über kleine Hautverletzungen mit dem Erreger infizieren, wobei sich diese Infektion meist örtlich begrenzt als sogenanntes Schwimmbadgranulom (Badedermatitis) äußert.

Schwimmbad-Granulom auf einem Arm
Schwimmbad-Granulom auf einem Arm
Schwimmbadgranulom im Detail (beide Fotos: Neuse, HHUD)
Schwimmbadgranulom im Detail (beide Fotos: Neuse, HHUD)

Für die Bereitstellung der Fotos dankt die Redaktion Herrn Neuse von der Universitäts-Hautklinik der Unikliniken der Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf.



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