Passwort vergessen?

 
 
 
<< zurück zur Magazin-Startseite
<< zurück zur Übersicht Fachbeiträge
Seite 1 von 2 >>
Artikel drucken >>

05.02.2010
Das Ende der Qual? Grünalgen und Algenfresser
3. Teil der Algenreihe
Bernd Kaufmann

Grünalgen sind in den meisten Aquarien eher wenig gefürchtet. Dennoch stellt Bernd Kaufmann diese Lebewesen vor, zumal es einige Algen gibt, die unter dem Mikroskop sehr hübsch aussehen.
Zu den weniger beliebten Grünalgen gehören die Punktalgen.

Zum Abschluss der Algenreihe stellt Bernd Kaufmann noch eine Reihe von algenfressenden Fischen und Wirbellosen mit Vor- und Nachteilen vor.


Grünalgen - Chlorophyta

Mit 500 Gattungen und etwa 8.000 Arten sind die Grünalgen eine extrem vielfältige Klasse mit unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Größere Bedeutung im Aquarium haben aber auch bei den Grünalgen nur relativ wenige Arten.
Für manche Grünalgen wie diese Aegagropila linnaei (bisher Cladophora aegagropila) geben Aquarianer sogar Geld aus.
Für manche Grünalgen wie diese Aegagropila linnaei (bisher Cladophora aegagropila) geben Aquarianer sogar Geld aus.
In manchen Aquarien wachsen plötzlich Grünalgen, die wie "verwilderte" Aegagropila linnaei aussehen. Hier kann uns die Mikroskopie sehr gut helfen. Dieses Mikro-Foto zeigt die typische Verzweigung der Aegagropila linnaei,
In manchen Aquarien wachsen plötzlich Grünalgen, die wie "verwilderte" Aegagropila linnaei aussehen. Hier kann uns die Mikroskopie sehr gut helfen. Dieses Mikro-Foto zeigt die typische Verzweigung der Aegagropila linnaei,
während dieses die Verzweigung einer eher unerwünschten Cladophora-Art zeigt.
während dieses die Verzweigung einer eher unerwünschten Cladophora-Art zeigt.

In Aquarien weit verbreitet sind die Fadenalgen-Gattungen Cladophora, Pithophora und Oedogonium. Seltener und fast nur in neu eingerichteten Aquarien findet man Vertreter der Gattungen Mougeotia und Spirogyra (Faden-Jochalgen). Das Auftreten dieser beiden Arten in neuen Aquarien mit dem entsprechend guten Wasserverhältnissen hat dazu geführt, dass oft viel zu pauschal behauptet wird, grüne Fadenalgen würden optimale Wasserwerte signalisieren. Im Falle von Spirogyra und Mougeotia mag das noch einigermaßen stimmen. Bei lästiger Massenentwicklung ist es allerdings ein Zeichen dafür, dass die höheren Pflanzen (noch) nicht in der Lage sind, das Nährstoffangebot konkurrierend zu nutzen. Die Aussage trifft aber überhaupt nicht mehr zu, wenn man damit die übrigen Fadenalgenarten meint.

Manche Grünalgen-Arten sind mikroskopisch betrachtet ausgesprochen hübsch. Mondalgen (Closterium sp.) findet man vereinzelt auch in Aquarien.
Manche Grünalgen-Arten sind mikroskopisch betrachtet ausgesprochen hübsch. Mondalgen (Closterium sp.) findet man vereinzelt auch in Aquarien.
Die Wimperkugel (Volvox aureus) ist dagegen eher im Gartenteich zu finden. Interessant ist, dass sich Volvox 2003 besonders gut in meinem Teich vermehrt, weil das Wechselwasser aus mehreren Aquarien versuchsweise zum Befüllen des Teiches verwendet wurde.
Die Wimperkugel (Volvox aureus) ist dagegen eher im Gartenteich zu finden. Interessant ist, dass sich Volvox 2003 besonders gut in meinem Teich vermehrt, weil das Wechselwasser aus mehreren Aquarien versuchsweise zum Befüllen des Teiches verwendet wurde.



Hartnäckig, aber im Grunde völlig harmlos, sind grüne „Punktalgen“ der Gattungen Protoderma, Leptosira, Stigeoclonium und Chaetophora4. Ihr Wachstum ist relativ langsam, bevorzugt besiedeln sie alte Blätter langsam wachsender Pflanzen wie Anubias. Die einfachste „Bekämpfung“ ist, die befallenen alten Blätter, zur Not die ganze Pflanze, zu entfernen. Der biologische Wert solcher Pflanzen ist sowieso mehr als bescheiden. Auch für Punktalgen gilt, wie für die harten Rotalgenarten, dass nur sehr wenige Fische sich dafür interessieren; und wenn, dann nur, wenn sie hungrig genug sind.

Auf älteren Blättern von Anubias und ähnlich langsam wachsenden Pflanzen finden nicht nur Pinsel- und Bartalgen ihr bevorzugtes Substrat. Auch verschiedene Punktalgen (Coleochaete sp.) können sich hier ungestört entwickeln.
Auf älteren Blättern von Anubias und ähnlich langsam wachsenden Pflanzen finden nicht nur Pinsel- und Bartalgen ihr bevorzugtes Substrat. Auch verschiedene Punktalgen (Coleochaete sp.) können sich hier ungestört entwickeln.
So sehen die Grünen Punktalgen an einer Aquarienscheibe aus.
So sehen die Grünen Punktalgen an einer Aquarienscheibe aus.

Grüne Punktalgen-Kolonie bei 400-facher Vergrößerung auf einem Objektträger aufgewachsen.
Grüne Punktalgen-Kolonie bei 400-facher Vergrößerung auf einem Objektträger aufgewachsen.



Schwebealgen, die das Wasser gleichmäßig grün färben, sind meist Scenedesmus- oder Chlorella-Arten, also Grünalgen. Es gibt allerdings auch Blaualgen, die Algenblüten im Aquarium bilden können. Bei Schwebealgen ist tatsächlich eine direkte Bekämpfung ohne Schädigung der höheren Pflanzen möglich. Mit UV-C-Strahlern können die Algen, bzw. Cyanobakterien abgetötet oder stark geschädigt werden. Die Algen zerfallen, oder verklumpen und werden anschließend im Filtermaterial zurückgehalten. Nach dem Zerfall ist ein fast vollständiger Wasserwechsel sehr zu empfehlen, denn sonst holt sich die nächste Algengeneration die freigesetzten Nährstoffe wieder. Haben sich die Algen nur verklumpt, können sie aus dem Filter entnommen und vom Bodengrund in Verbindung mit Wasserwechsel abgesaugt werden.


Kieselalgen - Diatomeen (Bacillariophyceae)

Die von Aquarianern oft fälschlich als „Braunalgen“ bezeichneten Diatomeen bringen es auf rund 250 Gattungen mit 100.0003 Arten. Sie treten bevorzugt in neu eingerichteten Aquarien auf. Insbesondere bei hohen Kieselsäurewerten im Leitungswasser und geringer Konkurrenz durch schnellwachsende Pflanzen, machen Kieselalgen vielen Aquarianern Kopfzerbrechen.

Bild 36 und 37 und 38
Besonders in der Startphase eines Aquariums treten solche braunen Beläge an Pflanzen und Dekoration auf. Dies liegt zum größten Teil daran, dass die Pflanzen noch nicht wachsen und somit für die Kieselalgen keine ernsthafte Konkurrenz sind.
Besonders in der Startphase eines Aquariums treten solche braunen Beläge an Pflanzen und Dekoration auf. Dies liegt zum größten Teil daran, dass die Pflanzen noch nicht wachsen und somit für die Kieselalgen keine ernsthafte Konkurrenz sind.
Diatomeen sind höchst interessante Studienobjekte in der Mikroskopie. Die exakte Bestimmung ist vor allem bei tropischen Arten jedoch nicht gerade einfach, ja oft absolut unmöglich, was bei mindestens 10.000 bekannten Arten niemanden verwundern wird.
Diatomeen sind höchst interessante Studienobjekte in der Mikroskopie. Die exakte Bestimmung ist vor allem bei tropischen Arten jedoch nicht gerade einfach, ja oft absolut unmöglich, was bei mindestens 10.000 bekannten Arten niemanden verwundern wird.

Besonders poröses Gestein wird sehr gerne von Kieselalgen als Substrat genutzt. Während auf glatten Flächen Diatomeen leicht zu entfernen sind oder gefressen werden, gestaltet sich die Bekämpfung hier schon etwas schwieriger. Auf diesem Stein sind auch schon die ersten Blaualgen (Cyanobakterien) zu sehen.
Besonders poröses Gestein wird sehr gerne von Kieselalgen als Substrat genutzt. Während auf glatten Flächen Diatomeen leicht zu entfernen sind oder gefressen werden, gestaltet sich die Bekämpfung hier schon etwas schwieriger. Auf diesem Stein sind auch schon die ersten Blaualgen (Cyanobakterien) zu sehen.



Glücklicherweise sind sie aber leicht zu beseitigen. Alle Aquarienfische mit Saugmaul (z. B. diverse Arten Ancistrus, Otocinclus, Gyrinocheilus und Garra) sowie Posthorn- und andere Schnecken fressen bevorzugt Kieselalgen. Viele schnellwüchsige Unterwasserpflanzen wie z. B. Hornkraut (Ceratophyllum demersum, Egeria densa, Egeria najas, Najas guadalupensis und andere) sind äußerst leistungsfähige Konkurrenten.

Oft werden andere Algenarten von epiphytisch wachsenden Diatomeen überwuchert und erscheinen dann braun.
Oft werden andere Algenarten von epiphytisch wachsenden Diatomeen überwuchert und erscheinen dann braun.
Die Formenvielfalt der Diatomeen wird bei fast jedem Blick durchs Mikroskop mit einem Algen-Präparat sichtbar.
Die Formenvielfalt der Diatomeen wird bei fast jedem Blick durchs Mikroskop mit einem Algen-Präparat sichtbar.



Dass Diatomeen vor allem in zu schwach beleuchteten Aquarien auftreten, ist ein Gerücht, das sich hartnäckig in der Aquarienliteratur hält und scheinbar von einer Generation zur nächsten vererbt wird. Wie immer hat dies nämlich nichts mit wenig oder viel Licht direkt zu tun, sondern mit gutem oder weniger gutem Pflanzenwuchs. Natürlich wachsen bei besserer, gut abgestimmter Beleuchtung die Wasserpflanzen zügiger und werden, wie bereits gesagt, zur Konkurrenz für die Kieselalgen.
Richtigerweise wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die verkieselten Schalen der Diatomeen aus Kieselsäure aufgebaut sind und die Vermehrung bei Mangel an SiO2 aufhört. Vergessen wird dabei aber, dass Silicate über 80 % der Erdkruste ausmachen und deshalb in unzähligen Verbindungen in Gesteinsarten enthalten sind. Wird dem Wasser durch biologische Prozesse SiO2 entzogen, so wird es durch Auflösung einer entsprechenden Gesteinsmenge ersetzt.
Längerfristige Probleme gibt es mit Kieselalgen trotz dieser Tatsachen kaum, denn Kieselsäure ist selbstverständlich nicht der einzige Stoff, den Diatomeen zur Massenvermehrung brauchen. Wachsende submerse Pflanzen sorgen auch bei ihnen für ausreichende Konkurrenz: Pflanzen gegen Algen Hier ist vor allem Hornblatt (Ceratophyllum demersum) hervorragend geeignet.
-----------------
[3] Christiaan van den HOEK nennt in „Algen“, 3. Auflage v. 1993, Thieme Verlag Stuttgart, sogar 100.000 Arten und bezieht sich auf ROUND, 1990. Inzwischen ist auch im KOSMOS Algenführer (ISBN 3-440-09719-6) von "Schätzungen" die Rede, die sich zwischen mehreren Tausend bis zu einer Million Arten bewegen.
[4] Mario SALISCH in „Algen in Süßwasseraquarien“, AQUARIUM heute Nr. 1 u. 2, 2001



Seite 1 von 2 >>

nach oben >>

Aquanet.tv


Aktuell:  
 

Das Magazin


Werkzeug-Gebrauch bei Rochen

Süßwasser-Stechrochen gehören ebenfalls zu den Tieren, die Werkzeuge benutzen. Dieses Phänomen ist hauptsächlich von Vögeln und Säugetieren bekannt, doch auch einige weniger hoch entwickelte Tiere sind in der Lage, Werkzeuge zu nutzen.

 
 

AquaBild


Channa Portrait
 
 

PetNet

 

AquaLexikon


Desmocaris trisponosa (Nigerianische Schwebegarnele) 
 

Letzte Änderungen


Zu den letzten Änderungen