10.08.2010
Maulbrüter
Eine (gar nicht so) ungewöhnliche Art der Fortpflanzung
Tobias Möser
Auch vielen biologischen und aquaristischen Laien ist bekannt, dass es unter den Fischen Arten gibt, die ihre Jungen im Maul ausbrüten, ausspucken wenn Ruhe ist und sie bei einer Bedrohung wieder „einsaugen“.
Sieht man sich näher unter den Aquarienfischen um, findet man alleine im Süßwasser Vertreter von mindestens fünf verschiedenen Familien, die Maulbrutpflege in unterschiedlicher Form und unterschiedlichem Umfang betreiben.
AquaNet stellt ein paar Vertreter dieser Formen vor und charakterisiert deren Form der Brutpflege.
Ein maulbrütender Kampffisch: Betta albimarginata
 | | Betta albimarginata, maulbrütendes Männchen (AL) |
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 | | Betta albimarginata, drohendes Männchen (AL) |
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Die kleine Kampffischart kommt auf der indonesischen Insel Borneo vor und erreicht in der Natur nur eine Länge von etwa 4 cm. Im Aquarium werden sie etwas größer. Die Weibchen sind eher unscheinbar braun gefärbt, mit dem typischen Dunkel-hell-dunkel-hell-Längsstreifenmuster, das viele Kampffischarten tragen.
Bei den Männchen tritt das Muster selten zu Tage, meist wird es überdeckt durch eine warme orangebraune Tönung, einen schwarzen Kiemendeckelfleck und schwarz-weiß gerandete Flossen.
Sind die heiklen Pfleglinge im Aquarium erst einmal eingewöhnt, beginnen sie auch zu balzen. Hier geht die Initiative vom Weibchen aus, das Männchen reagiert zunächst mit Farbintensivierung. Nach einer Phase des Umkreisens beginnen sie sich zu umschlingen, beide Partner krümmen ihre Körper U-förmig und verhaken sich förmlich ineinander. Es folgen zahlreiche Scheinpaarungen, bei denen keine Geschlechtsprodukte abgegeben werden. Danach verharren sie einige Sekunden in einer Laichstarre.
 | | B. albimarginata, Pärchen (AL) |
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 | | Imponierende Männchen von B. albimarginata (AL) |
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Erst wenn die Tiere sich ausreichend aufeinander eingestellt haben, beginnt das Weibchen, Eier abzugeben. Sie werden vom Männchen befruchtet und fallen auf dessen Afterflosse, oder daran vorbei auf den Boden. Das Weibchen erwacht zuerst aus der Laichstarre und nimmt die Eier zunächst auf.
Nun folgt die Übergabe der Eier: Männchen und Weibchen stehen sich gegenüber, Kopf an Kopf. Das Weibchen beginnt nun, ein oder zwei Eier auszuspucken, die das Männchen auffängt und im eigenen Maul unterbringt. Ist es dabei zu langsam, nimmt das Weibchen die Eier erneut auf und spuckt sie ihm wieder vors Maul.
Erst wenn alle Eier übergeben sind, beginnt der nächste Paarungsakt, bis der Laichvorrat des Weibchens erschöpft ist, können zehn oder mehr Paarungsakte ablaufen.
Weiterführende Links:
- Eine kleine Schönheit aus Borneo
- Ein Maulbrüter unter den Kampffischen
Der Schlangenkopffisch Channa pleurophthalma
 | | Channa pleurophthalma, Männchen (IS) |
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 | | Channa pleurophthalma, Weibchen (IS) |
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Auch unter den mit den Kampffischen entfernt verwandten Schlangenkopffischen gibt es Maulbrüter. Die meisten Arten davon werden jedoch sehr groß und alle Schlangenkopffische sind etwas für Spezialisten, denn sie leben sehr räuberisch und gleichzeitig versteckt.
Channa pleurophthalma, der „Augenfleck-Schlangenkopf“ ist in Südostasien weit verbreitet. Die Tiere können Längen zwischen 30 und 50 cm erreichen.
 | | Wenn die Tiere geschlechtsreif werden, fangen sie an, sich himmelblau zu färben (IS) |
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 | | Junge Weibchen sind dagegen eher farblos (IS) |
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Wie einige Kampffische sind auch diese Schlangenkopffische Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Nachdem sich ein Pärchen im wahrsten Sinne des Wortes „zusammengerauft“ hat, bleibt es oft ein Leben lang zusammen. Die Paarung erfolgt ähnlich wie bei Betta albimarginata: Zahlreiche Scheinpaarungen leiten die Paarung ein. Die Tiere umschlingen sich dabei in U-Form, bis sie die Abgabe der Geschlechtsprodukte koordinieren können. Dann werden zwischen 100 und 500 kleine Eier abgegeben, die wegen des ölhaltigen Dotters an die Wasseroberfläche steigen. Dort werden sie vom Männchen aufgenommen im Maul untergebracht.
Anders als bei den meisten Maulbrütern liegen die Eier nicht auf dem Maulboden, sondern hängen am Gaumen. Wie dies genau geschieht, ist nicht bekannt. Möglich ist, dass der eigene Auftrieb die Eier dorthin treibt. Es ist jedoch auch möglich, dass die Eier dort mit Haftzoten festgeklebt werden, oder an einem Haftgewebe festgehalten werden.
Weiterführende Links:
- Channa pleurophthalma in der Zierfisch-Datenbank