02.03.2010
Das erste Buntbarschaquarium
So schwer ist das eigentlich nicht
Tobias Möser
Buntbarsche besitzen bei Aquarianern nach wie vor einen besonderen Ruf. Hierfür sind verschiedene Faktoren verantwortlich: zum einen ihr interessantes Verhalten, oft kombiniert mit bunten Farben, dann die Tatsache, dass viele fortgeschrittene Aquarianer Buntbarsche pflegen und der Ruf des Raubfisches, der mit dem Namen „Barsch“ einher geht.
Guckt man in die Internetforen, so stellt man immer wieder fest, wie seltsam die Vorstellungen von Aquarianern sind, die zum ersten Mal Buntbarsche pflegen möchten. Um das ein wenig zu kanalisieren, haben wir ein Aquarium aufgebaut, wie ein Becken für einen erfolgreichen Beginn der Buntbarschpflege –und damit meist eine lange Freundschaft- aussehen könnte.
 | | So kam das Becken vom Sperrmüll zu neuer Blüte, auf meinem Besprechungstisch | |
 | | Manchmal glaubt man, nicht nur Aquarianer können träumen, sondern Aquarien auch |
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Die Kunst der Beschränkung
Bei der Planung des ersten Buntbarschaquariums geben viele Aquarianer dem Sammeltrieb nach. Im Kopf steht noch das Gesellschaftsbecken, nur dass eine Gruppe Salmler oder Barben gegen ein Pärchen Buntbarsche ausgetauscht wird. Da werden dann Wasserwerte und Temperaturen verglichen und im Geiste drei, vier oder mehr Buntbarscharten in einem 80 cm-Aquarium vergesellschaftet.
Kurz: das geht, aber nicht so, wie sich der Aquarianer das vorstellt. In einem solchen Aquarium werden die Buntbarsche aber mehr zwischengelagert, als gepflegt. Weder Fische noch Pfleger sind mit diesem Zustand auf die Dauer zufrieden.
 | | Zwischen Rückwandisolierung und Becken wird schwarze Pappe geklebt |
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 | | Eine erste Lage Steine legt den Verlauf der Terrassen fest |
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Das erste Buntbarschbecken dient auch immer dazu, die Fische kennenzulernen. Anders als die meist bisher gepflegten Salmler, Barben, Bärblinge, Lebendgebärenden und kleinen Welse verhalten sich Buntbarsche gegenüber anderen Fischen und der Umwelt nicht nur passiv. Die Tiere haben ihre Eigenarten, die oft auch als Unarten bezeichnet werden: sofern sie können, dekorieren sie gerne um, andere Fische werden regelmäßig angedroht und aus dem Kernrevier verjagt.
Ebenso kommt hinzu, dass sich viele der „Unarten“ bei der Brutpflege potenzieren. Um diese Verhaltensweisen am besten kennenzulernen und zu kanalisieren, ist dringend empfohlen, pro Becken maximal ein Pärchen Buntbarsche und zunächst keine weiteren Fische einzuplanen.
Das kostet am Anfang sehr viel Disziplin, denn der ein oder andere Fisch geht vielleicht… hier sollte der Verstand ein deutliches „NEIN“ sprechen, zumindest bis man die Fische zu kennen glaubt.
 | | Die Mauer wächst |
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 | | feuchter, frisch gewaschener Sand wird eingefüllt |
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Die Auswahl der Fische
Wie üblich sollte man die Fische nach der vorhandenen oder geplanten Beckengröße und nach dem vorhandenen Wasser auswählen.
Die maximal mögliche Fischgröße ist relativ einfach ermittelt: bei Standardaquarien sollten die Fische nicht mehr als 15% der Frontscheibenlänge erreichen. Für 80 cm-Becken also 12 cm, für 120 cm-Becken 18 cm und so weiter.
Die Auswahl nach der Wasserhärte ist etwas schwieriger. Buntbarsche aus Regenwaldgebieten, also aus Amazonien und dem Kongobecken brauchen weiches bis sehr weiches Wasser. Tiere aus Nordwest-Afrika und aus Ostafrika vertragen mehr Härte, ebenso Tiere aus dem südlichen Südamerika. Buntbarsche, die westlich der Anden vorkommen, sind in Sachen Wasserhärte und pH-Wert sehr flexibel, Fische aus den Grabenbruchseen (Malawi-, Tanganjika- und Victoriasee) leben meist bei mittleren Härtewerten im zwingend alkalischen Wasser, vertragen aber auch größere Härten.
Mittelamerika bildet ein Mosaik aus verschiedensten Wasserbedingungen, die Buntbarsche dort sind oft Spezialisten für bestimmte Wasserbedingungen.
Grundsätzlich sollte man sich vor dem Kauf in verschiedenen Quellen nach den Anforderungen der Tiere erkundigen und lieber den strikteren glauben. Viele Buntbarsche neigen zur Lochkrankheit, wenn das Wasser, in dem sie gepflegt werden, zu hart ist.
 | | Nach dem provisorischen Glattstreichen sieht es so aus, als reiche der Sand. |
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 | | Okay, noch eine Terrasse und noch etwas mehr Sand. |
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Das Becken
Vor einer Weile hatte ich ein 80 cm-Standardaquarium mit 112 Litern Inhalt, komplett mit Abdeckung auf dem Sperrmüll gefunden und –nachdem ich es auf Lecks geprüft hatte- zunächst eingelagert.
Als das Projekt „erste Buntbarsche“ akut wurde, bin ich ihm mit Ceranfeldklinge, Stahlwolle und Salzsäure zu Leibe gerückt und habe der Abdeckung einen Satz neuer Dichtungen, Starter und Leuchtstoffröhren spendiert. Damit war das Becken im Prinzip in einem neuwertigen Zustand, für das Projekt wanderte es auf den Besprechungstisch in meinem Büro.