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03.02.2010
Eine kleine Schönheit aus Borneo
Betta albimarginata
Anton Lamboj

Die asiatischen Kampffische der Gattung Betta sind den meisten Aquarianern sicher gut bekannt, vor allem durch ihren prominentesten und am häufigsten gepflegten Vertreter, Betta splendens. Vom „Siamesischen Kampfisch“, wie er auf Deutsch genannt wird, haben eine große Zahl an verschiedenen Farbschläge und Zuchtformen unsere Aquarien erobert, es gibt Betta-Clubs bzw. Züchter, die sich nur der Hochzucht von Betta splendens–Varianten verschrieben haben, die oft wundervolle Formen schaffen und sich auch bei Züchterbewerben, ähnlich wie bei der Guppy-Hochzucht – in ihrem Können messen.
Vergleichsweise nur wenigen Liebhabern jedoch sind auch die Naturformen der verschiedenen Betta-Arten bekannt. Zusätzlich wissen auch noch immer nur relativ wenige Fischfreunde, dass sich nur ein Teil, weniger als die Hälfte aller Kampffischarten in der „klassischen“ Form der Labyrinthfische, also mittels Schaumnestbau, vermehrt. Der überwiegende Teil der Arten der Gattung Betta ist nämlich maulbrütend, und zwar ausschließlich im männlichen Geschlecht (was auch wieder viele Aquarianer verwundert, sind sie doch vor allem durch Erfahrungen oder Berichte über Buntbarschen gewöhnt, dass es dort meist die Weibchen tun).


Die meisten Arten der maulbrütenden Kampffische sind einerseits eher unscheinbarer gefärbt –Brauntöne überwiegen, nur wenigen Bereichen auf dem Kopf oder manchmal in Flossen sind anders gefärbt – und andererseits auch relativ groß werdend, oft erreichen sie über 10 cm Länge.
Es gibt aber doch auch kleine Maulbrüter innerhalb der Gattung Betta – und es dabei gibt auch ein paar hübsch gezeichnete und gefärbte Arten.

1.	Halbwüchsiges Tier, vermutlich Weibchen
1. Halbwüchsiges Tier, vermutlich Weibchen

Borneo, Heimat der Tiere
Borneo, Heimat der Tiere



Ein hübscher kleiner Maulbrüter

Einer der sicherlich attraktivsten kleinen Maulbrüter ist Betta albimarginata, 1994 der durch Kottelat & Ng erstbeschrieben worden ist. Dieser Kampffisch kommt auf Borneo, in Kalimantan vor und ist – zumindest in der Natur – ein echter Fischzwerg mit maximalen Gesamtlängen von etwa vier Zentimetern. Im Aquarium kann B. albimarginata (wohl aufgrund der fast immer viel zu reichlichen und gehaltvollen Fütterung) etwas größer werden. Ich habe sogar schon wahre Monsterexemplare mit fast acht Zentimetern gesehen – also der doppelten Größe, die sie im Freiland erreichen. Das ist aber sicherlich (oder hoffentlich) eine sehr rare und extrem unnatürlich Ausnahme, meistens pendeln sich die Fische – beide Geschlechter können übrigens annähernd gleiche Größe erreichen – bei maximal sechs Zentimeter ein.
Die Körperform von B. albimarginata ist gestreckt und schlank. Der Kopf ist relativ spitz, bei Männchen im Kehlbereich ein wenig wuchtiger als bei Weibchen. Die Rücken – und Afterflossen sind bei beiden Geschlechtern gerundet, wenn auch bei Männchen etwas größer entwickelt. Die Bauchflossen sind bei Männchen ebenfalls ein wenig größer, bei beiden Geschlechtern aber relativ kurz und nur mäßig zugespitzt. Die Schwanzflosse ist immer gerundet.


obwohl: hauptsächlich sind sie braun...

Die Grundfärbung des Körpers ist für beide Geschlechtern braun, bei Weibchen allerdings mehr graubraun und mit einer leichten Marmorierung, die zwei unregelmäßige Längsbänder auf dem Köper zeichnet, bei Männchen ist sie stärker rotbraun. Kehlen und Wangen der Männchen sind schwarz, so wie der hintere Bereich der Kiemendeckel und die daran folgende vorderste Region der Körpers, etwa bis zum Bereich des Ansatzes der Brustflossen. Männchen zeigen weiters sehr deutliche und breite weiße Säume im hinteren Teil Afterflosse (manchmal sogar über die ganze Länge) und über den hinteren Rand der Schwanzflosse. In der Rückenflosse ist oftmals auch ein schmaler weißer Rand vorhanden. In diesen drei Flossen sind unter den weißen Bändern - also näher zum Körper -  immer breite schwarze Submarginalbänder zu sehen. Die Flossen der Weibchen sind blass bräunlich bis farblos durchsichtig, in der Afterflosse ist ganz manchmal schwach ein dünner weißlicher Saum zu sehen. Insgesamt also sind die Männchen eine auffälligere Erscheinung als die Weibchen und, wenn halbwüchsig oder erwachsen, auch in Normalfärbung gut von diesen zu unterscheiden.


Paar bei der Balz, vorne das Weibchen
Paar bei der Balz, vorne das Weibchen

Erwachsenes Weibchen in Normalfärbung
Erwachsenes Weibchen in Normalfärbung



Der Unterschied in der Färbung wird allerdings noch viel markanter, wenn die Männchen aggressiv gestimmt sind oder balzen – dann wird das dunkle Rotbraun des Körpers heller und sehr intensiv, eher orangerot. Im Zusammenspiel mit den schwarzen Farben auf Kopf und Flossen sowie der leuchtend weißen Flossenränder sind die Männchen von Betta albimarginata dann eine mehr als auffällige und extrem attraktive Erscheinung.  Kein Wunder also, dass die Liebhaber der kleinen Kampffische von Anfang an von diesem Fisch begeistert waren – diese Begeisterung wurde wohl nur von einer zweiten, nahe verwandten und noch intensiver rot gefärbten Art übertroffen, nämlich von Betta channoides, bei dem der Körper fast blutrot werden kann.


Die Haltung ist nicht einfach

In der Haltung ist Betta albimarginata sicherlich nicht für Anfänger, sondern nur für erfahrene Aquarianer geeignet. Sie brauchen nicht unbedingt große Aquarien, aber ich empfehle doch eine Größe von wenigstens 54 Litern für eine kleine Gruppe von beispielsweise zwei Weibchen und drei bis vier Männchen (was auch grundsätzlich dem Tierschutzgesetz entspricht). Natürlich geht es auch, sie paarweise anzusetzen, ich habe aber bei Kleingruppen bessere Erfahrungen gemacht: Einerseits drohen sich einzelne Männchen dann ständig an, wodurch sie natürlich ihre schönen Farben viel öfter zeigen.  Andererseits aber werden Männchen von den Weibchen oft stark wegen einer Paarung bedrängt. Das kann dazu führen, dass ein Männchen dann zwischen zwei Bruten nicht mal ordentlich Zeit hat, sich wieder Kondition zu verschaffen, also ordentlich Nahrung aufzunehmen. Bei mehr Männchen als Weibchen kann sich ein einzelnes Männchen besser nach einer Brut erholen, auch wenn ich immer den Eindruck haben, dass Weibchen nicht unbedingt mit jedem Männchen ablaichen, sondern Favoriten zu haben scheinen. Bei der Gruppenhaltung können Weibchen zusätzlich auch eher einen ihnen zusagenden Partner finden als es bei der reinen Paarhaltung der Fall ist. Im Gegensatz zu der oft vorhandenen Meinung über Kampffische sind B. albimarginata übrigens, wie die meisten maulbrütenden Kampffische, untereinander nur wenig bis gar nicht aggressiv. Beschädigungen oder  ernsthafte Verletzungen kommen so gut wie  gar  nicht vor – auch wenn kleine Streitigkeiten und vor allem Imponierkämpfe sehr oft beobachtet werden können.

Erwachsenes Männchen in Normalfärbung
Erwachsenes Männchen in Normalfärbung

Eine Gruppe B. albimarginata in einem meiner Aquarien
Eine Gruppe B. albimarginata in einem meiner Aquarien



Weiches Wasser ist Pflicht

Das Wasser soll auf jeden Fall weich bis sehr weich sein. Ich verwende entweder Osmosewasser mit einer kleinen Portion Leitungswasser, oder, im Sommer, sauberes Regenwasser. Die Leitfähigkeit des Wassers stelle ich dann immer zwischen 80 und 100 Mikrosiemens ein. Der pH-Wert beträgt dabei etwa 7.0, manchmal ein wenig darunter, manchmal knapp darüber. Das Aquarium ist mit einem luftbetriebenem Schwammfilter gefiltert, eine Heizung habe ich nicht in Betrieb, so dass ich in Abhängigkeit von der Raumtemperatur jahreszeitlich bedingte Schwankungen zwischen 22 und 26° Celsius im Aquarium habe, was für diese Fische offensichtlich gut verträglich ist und sich bewährt hat.
Der Aquariumboden ist mit einer dünnen Sandschicht bedeckt, ein paar Anubias wachsen darin sowie ein Bündel Javamoss in einer Ecke. An der Wasseroberfläche habe ich meistens auch ein paar Schwimmfarne. Eine Zeit lang hatte ich am Bodengrund eine Schicht Eichen- und Buchenblätter. Das ging Anfangs auch gut, sie wurden von den B. albimarginata gerne als Verstecke genutzt, es kamen auch einige Jungfische darin auf. Als sich das Laub jedoch langsam zu zersetzen begann, starb mir auch plötzlich, ohne erkennbare Krankheitsursache, eine größere Anzahl Fische weg. Auf Anraten eines Freundes entfernte ich das Laub, machte kräftig Wasserwechsel – und seitdem stehen die B. albimarginata wieder gut.


Futter, aber das richtige

In der Ernährung sind B. albimarginata durchaus wählerisch. Lebendfutter soll es schon sein, Flocken, Sticks und Tabs werden an sich nur verächtlich ignoriert. Lediglich eine Ausnahme konnte ich feststellen: Anlässlich einer Convention in den USA bekam ich dort eine Dose „Betta Food“ von einer mir zumindest bisher unbekannten Firma. Es handelte sich um ein relativ feines Granulat, welches tatsächlich von allen meinen Betta (auch von anderen Arten, die ähnlich wählerisch im Futter sind wie  B. albimarginata) gerne angenommen wurde. Was das Geheimnis dieses Futters ist, weiß ich nicht, ich werde mir bei meiner  nächsten Reise aber sicher davon was besorgen. Ansonsten aber füttere ich meine B. albimarginata hauptsächlich mit frisch geschlüpfte Artemia, manchmal auch Grindal, Cyclops, Daphnia oder Weißen Mückenlarven, je nachdem was grade verfügbar ist. Zwei bis dreimal pro Woche gibt es, wie bei  allen meinen Fischen, Fastentage. Ich will damit unnatürliches Turbo- und Monsterwachstum bei meinen Pfleglingen vermeiden und habe auch generell damit gute Erfahrungen gemacht, was die Kondition der Fische betrifft.



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