Nachdem sich Bernd Kaufmann vor zwei Monaten mit dem Thema
„Rinderherz – Fischfutter“ und den Folgen auseinandergesetzt hat, folgt nun ein Beitrag zur Vergesellschaftung der Diskusfische.
 | | Wo der Wald das Wasser trifft, leben vielfach Diskusfische (EOD) |
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 | | Gesunder Diskus in einem eingerichteten Aquarium (TM) | |
Haltung früher
Bis Anfang der 70er Jahre wurden Diskusfische für die Aquaristik fast nicht eingeführt. Sie waren sehr teuer und aufgrund der damals möglichen Transporte oft in sehr schlechtem Zustand, wenn sie beim Fachhändler ankamen. Das Wissen über die Tiere war eher gering, nur wenige Könner waren in der Lage, die Tiere aufzupäppeln und weiter zu züchten.
Unter diesen Könnern entwickelte sich eine fast panische Angst vor Krankheiten. Dies führte dazu, dass Diskusaquarien quasi immer ohne Einrichtung dastanden. Das einzige Objekt, das ins Wasser durfte, war eine Ton-Grabvase, auf der die Tiere ablaichen sollten.
Eine aquaristische Szene entwickelte sich, die fast keinen Kontakt mehr zum Rest der Aquaristik hatte. Für viele erfolgreiche Diskuspfleger waren andere Fische uninteressant, minderwertig und sogar als „Krankheitsschleudern“ oder „Bazillenmutterschiffe“ verpönt.
 | | Tiefes, nur sanft strömendes Wasser und viel Holz, hier könnte es Diskusfische geben (EOD) |
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 | | Diskus in steriler Haltung. (JL) |
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Anfang bis Mitte der 80er Jahre änderte sich das Bild. Importe wurden einfacher, Diskusfische kamen in besserem Zustand an, große Becken und Wasseraufbereitung wurden erschwinglicher. Hinzu kam, dass der Handel eine größere Auswahl an Frostfutter und industriell gefertigte Rinderherzprodukte lieferte. Immer mehr Züchter waren erfolgreich und konnten große Mengen Nachwuchs aufziehen. Das Angebot stieg, die Preise fielen, so dass Diskusfische bald auch für den „Normalaquarianer“ erschwinglich wurden.
Dort wurde nicht zwingend Haltung in leeren Becken mit Laichkegel praktiziert, viele Diskusfische wanderten, wie ihre Vettern, die Skalare, in Gesellschaftsaquarien. Ein Aufschrei in der „Szene“ folgte, ebenso Berichte von Problemen, aber auch Berichte von problemloser Haltung. Fronten zwischen Vertretern der „reinen Lehre: Nur Diskus“ und Aquarianern, die den Diskus in Gesellschaft halten wollten, bildeten sich aus und verhärteten sich.
Wie oft bei solchen ideologisch und dogmatisch geführten Diskussionen liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den extremen Thesen. Um sie zu finden, sollte man ein paar Schritte zurück gehen.
 | | Auch da, wo das Wasser in den Wald vordringt, gibt es Diskusfische (EOD) |
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 | | Diskusportrait (TM) |
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Auch in der Natur in Gesellschaft
Auch in den unermesslichen Gewässern Amazoniens, wo Diskusfische ja weit verbreitet sind, leben sie keineswegs solitär. Die Biotope, die sie bewohnen sind hauptsächlich struktur- und deckungsreiche Fels- und Holzansammlungen im mäßig tiefen Wasser. Sie sind bei zahlreichen anderen Fischen ebenfalls beliebt. In Felsspalten und am Holz sitzen zahlreiche Harnischwelse, im Freiwasser leben kleine Salmler in großer Zahl. Insbesondere Felshabitate werden immer wieder gerne von Anostomus-Arten aufgesucht, die quasi immer nachgewiesen werden, wenn Diskusfische zwischen Felsen leben. In Holzbiotopen leben eher Hechtsalmler (Boulengerella) zusammen mit Diskusfischen.
Sehr häufig sind mittelgroße Cichliden: Satanoperca, Geophagus und Biotodoma. Auch Großfische werden immer wieder gefunden, Pacus, Scheibensalmler, Cichla und einzelne Crenicichla-Arten, Rochen und Gabelbärte kommen auch vor. Bemerkenswert ist, dass gerade die Holzbiotope, die Diskusfische bewohnen, den Arapaima-Biotopen sehr ähneln, auch wenn man diese größten amazonischen Fische kaum noch zu Gesicht bekommt.
Unter den Wirbellosen sind vor allem verschiedene Garnelen der Gattung Macrobrachium zu nennen, deren Jungtiere vermutlich einen großen Teil der Nahrung der Diskusfische ausmachen.
Insgesamt machen alle Biotopbeobachtungen eher den Eindruck, dass es sich bei den Diskusfischen um ziemlich „normale“ amazonische Fische handelt, nicht um irgendetwas Besonderes. Folgt man dieser Annahme, wird die Haltung nicht mehr so übertrieben schwierig.
Ein unsteriles Diskusaquarium
Nach meiner Erfahrung und der Erfahrung einiger mir bekannter Diskuspfleger sollte ein Aquarium für die dauerhafte Diskuspflege mindestens 150 cm lang sein und 60 cm Höhe und Tiefe aufweisen. Größer wäre es besser, aber in einem solchen Becken kann man durchaus eine Gruppe von fünf bis sechs Diskusfischen dauerhaft halten und zu attraktiven Exemplaren heranziehen.
Die Einrichtung kann erstaunlich konventionell erfolgen: Ein Bodengrund aus sauberem Quarzsand ist einfach und günstig eingebracht. Er kann in seiner Dicke zwischen wenigen Millimetern und einigen Zentimetern schwanken, dort, wo Pflanzen eingesetzt werden sollen, sollte er natürlich dicker sein.
Die wichtigste Einrichtung ist eine optische Trennung des vorderen und hinteren Beckenbereiches, die es den Tieren ermöglicht, bei Beunruhigung in den ruhigeren hinteren Bereich zu verschwinden. Gleichzeitig ermöglicht diese Trennung einen Sichtschutz für die Tiere untereinander, denn auch zwischen den Diskusfischen kommt es immer wieder zu Konflikten.
 | | Oft kommen Wimpelpiranhas gemeinsam mit Diskusfischen vor. Als "Mistviecher" bleiben diese Flossenfresser besser dem Aquarium fern. (EOD) |
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 | | Auch wenn er in der Natur aus einer völlig anderen Gegend kommt, ist der Schmetterlingsbuntbarsch ein klassicher Beifisch für Diskusfische (TM) |
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Klassischerweise besteht eine solche Trennung aus zahlreichen Wurzeln, die nebeneinander auf und in den Sand gestellt werden und bis an oder kurz unter die Wasseroberfläche reichen. Da Diskusfische auch in Felsbiotopen vorkommen, sind Aufbauten aus Granit, Rhyolith, Basalt oder Pagodensteinen keineswegs „falsch“, werden von Aquarianern aber eher selten genutzt. Gerade Säulenbasalt bildet ein sehr attraktives Dekorationsmittel, die dunkle Farbe kontrastiert gut mit grünen Pflanzen und die Farben der Diskusfische werden betont.
Bepflanzt werden sollte ein solches Becken ebenfalls. Berücksichtigt man jedoch die hohe Wassertemperatur und geringe Härte, eignen sich jedoch relativ wenige Pflanzen hierfür. Interessanterweise sind es vor allem Pflanzen aus Asien, die mit diesen Bedingungen gut klar kommen.
Klassisch werden große Amazonasschwertpflanzen wie Echinodorus cordifolius und E. bleheri eingesetzt, weiter eignen sich kleinere Cryptocorynen als Bodenbepflanzung und einige Stängelpflanzen wie Hydrocotyle leucocephala, Limnophila sessiliflora und L. aquatica, Vallisneria gigantea und V. spiralis für ein solches Becken, erstere auch als Schwimmpflanze. Tropische Seerosengewächse wie Nymphea lotus sind ebenfalls sehr gut geeignet.
Neben einer Abdunkelung der Rück- und Seitenscheiben ist kaum noch weitere Einrichtung notwendig. Ein oder zwei Hände voll Buchenlaub, und die ersten Fische könnten kommen.