Die erste Station: Der Zoo Schönbrunn
In den Tiergarten integriert ist ein mittelgroßes, modernes Zooaquarium, das ohne Riesenbecken auskommt, dafür der Terraristik viel Platz einräumt, ohne dass dies zu Lasten der Aquaristik gehen würde.
Der Rundgang beginnt in einer Tropenhalle, in dessen Teich mittelamerikanische Beulenkrokodile schwimmen, vergesellschaftet mit Schwertträgern und mittelamerikanischen Buntbarschen. Hier wurden tatsächlich noch die Wildformen der Arten eingesetzt. Sehr beliebt sind auch die Schmetterlinge, die in großer Zahl die Tropenhalle bewohnen und an verschiedenen Futterstellen beobachtet werden können. In einer Vitrine wurde eine "Puppenstube" eingerichtet, in der Schmetterlingspuppen wie an einer Wäscheleine aufgereiht sind. Regelmäßig schlüpfen die Tiere hier, ein spannender Prozess.
 | | Auch im grauen Herbst strahlt die tropenhalle Wärme aus |
|
 | | Puppenstube, einmal anders |
|
Ein gewaltiges Korallenbecken…
Durch eine Schiebetür gelangt man ins dunklere und kühlere Aquarium, wo man zunächst von tropischen Meerwasseraquarien empfangen wird. Zwei kleinere Becken mit verschiedenen Symbiosen und Gifttieren des Riffes bereiten auf das riesige, 80m³ fassende Riffbecken vor.
Trotz der geteilten Scheibe ist der Eindruck, den dieses Becken hinterlässt, gewaltig. Es ist eins der größten Riffbecken mit lebenden Korallen, das es in Europa gibt, auch wenn es derzeit von einer neuen, bisher unbekannten Anemone heimgesucht wird. Die Pfleger führen dort täglich eine Schlacht gegen ein Tier, das sich in Massen vermehrt und gerade Steinkorallen vernesselt... und es scheint, dass die Pfleger gewinnen.
 | | Ein Teil des Korallenbeckens |
|
 | | die andere Seite, leider im Moment ohne Steinkorallen |
|
Eine ganz andere Schlacht führen die Aquarianer Schönbrunns zwei Becken weiter: hier zeigt sich, dass das nur 10 Jahre alte Gebäude bereits so marode ist, dass es nicht renoviert, sondern saniert werden muss. So etwas kostet viel Kraft und Arbeitsleistung, was sich leider auch in der Ausstellung bemerkbar macht. Die berühmte Quallensammlung, nach Berlin die artenreichste Europas, musste komplett hinter die Kulissen verbannt werden, ein großes Landschaftsaquarium kann derzeit nicht gezeigt werden.
… und ein Amazonas-Tunnel
 | | Gewaltig mutet der Amazonas-Tunnel an |
|
 | | und gewaltig ist auch dieser Tigerspatelwels |
|
Andere Teile der Ausstellung sind jedoch davon nicht betroffen, insbesondere der Amazonastunnel mit verschiedenen Großwelsen wirkt solide. In etwa 100 m³ Wasser, die vermutlich jedes andere Haus für Haie genutzt hätte, patrouillieren hier Tigerspatelwelse, Rotflossenantennenwelse und große Dornwelse gemächlich an der gewölbten Scheibe entlang. Auch einige Rochen sind hier zu sehen, sie haben schon mehrfach für Nachwuchs gesorgt.
Eins der vielen Schmuckstücke in Schönbrunn ist ein Bereich, in dem Tag und Nacht verschoben sind. Über einem großen Paludarium kann man Fledermäusen beim Beuteflug zusehen, im Wasser sind vor allem Rochen und Welse aktiv. In einem kleinen Sechseck-Becken, das „tagsüber“ mit einem soliden Holzverbau abgedeckt ist, kann man “nachts“ das Licht der Leuchtaugenfische erspähen.
 | | Ein Mangrovenbäumchen zwischen Mangrovenquallen |
|
 | | Dieser Wildkarpfen lebt in einem der Freilandaquarien |
|
Große Veränderungen stehen für das Schönbrunner Aquarium an, die nicht nur durch den Sanierungsbedarf entstehen werden. Auch der neue Aquarienkurator und die neue Direktorin werden versuchen, aus den eindrucksvollen Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten und eigene Spuren zu hinterlassen. AquaNet wird sie interessiert begleiten.
Weitere Aquarien gibt es in Schönbrunn noch in der Tropenhalle, sie konnten jedoch wegen Bauarbeiten dort nicht besichtigt werden. Drei Freiland-Aquarien, eigentlich Teiche mit einer großen Sichtscheibe, hinter der einheimische Fische leben, sind in unmittelbarer Nähe zur Tropenhalle zu finden. Trotz des kalten Wetters waren die Tiere darin sehr aktiv und konnten an den abgedunkelten Scheiben gut beobachtet werden.
Dieses Beispiel sollte Schule machen, es ist eine sinnvolle Alternative zu gekühlten Becken innerhalb eines Aquarienhauses, insbesondere wenn ein natürlicher Bach diese Anlage versorgen kann.
Ein Tempel der Biologie: Das Naturkundemuseum
Der zweite Weg führte uns in die innere Stadt, an den Burgring, wo das Naturhistorische Museum einen Prachtbau bezogen hat.
Schon die Fassade ist überwältigend, tritt aber hinter dem Raumgefühl und der Ausgestaltung der großen Eingangshalle zurück, in die man gelangt, sobald man seine Karten gekauft hat. Die Rotunde und das daran anschließende Treppenhaus sowie die darüber liegende, 60 m hohe Kuppel machen den Stellenwert klar, den die Naturaliensammlung der Habsburger schon früh hatte.
Trotz des Gefühls, einen Tempel der Biologie zu betreten, zieht es den Aquarianer zunächst meist in die vergleichsweise schlichten Räume des Vivariums, das einen sehr kleinen Teil des Erdgeschosses belegt.
 | | Schon das Treppenhaus ist spektakulär |
|
 | | Das Vivarium liegt im Erdgeschoß und ist über eine Treppe erreichbar |
|
Lebende Tiere im Vivarium
Ein besonderes Augenmerk wurde auf Hotspots der Evolution gelegt, so dass Ostafrika mit drei Aquarien stark vertreten ist. Bemerkenswert sind auch zahlreiche Artbecken, teilweise mit selten gezeigten Tieren. Besonders auffällig und in dieser Form selten gezeigt ist ein Mangrovenbecken, das in der Raummitte wie ein Raumteiler steht. Silberflossenblätter, Schützen- und Argusfische sind die bekannten Bewohner dieses größten Tanks.
Im Seewasser zeigt man mehrere Riffaquarien, hauptsächlich mit Weich- und Lederkorallen und bunten, aber eher alltäglicheren Fischen.
 | | Ostafrika ist ein Schwerpunkt der Ausstellung... |
|
 | | ... aber auch das große Brackwasser-Becken kann sich sehen lassen |
|
Die Anlage selber ist gut gepflegt und sauber, obwohl an verschiedenen Stellen Probleme mit Algen und Pflanzenwachstum auftreten. Das Alter der Anlage wird durch abgegriffene Oberflächen und zahlreiche Kratzer in der Scheibe sichtbar, auch würde man heute vermutlich weniger und dafür größere Aquarien bauen.
Aber auch der Rest ist spannend
Verlässt man das Vivarium und begibt sich in die zweite Etage, wird man als Aquarianer keineswegs enttäuscht. Bereits der Mikroskopiersaal, der erste Saal einer langen Reihe von Ausstellungssälen besticht durch sein Ambiente. Die ganze Ausstattung wirkt mehr als edel, die Beleuchtung ist durchdacht, die Fenster bieten, großen Diapositiven gleich, Abbildungen mikroskopischer Präparate, wie man sie nur im 18. und 19. Jahrhundert gezeichnet hat.
 | | Ein Fenster des Mikroskopiersaals |
|
 | | auch der Saal der Knorpelfische wird mit Fensterbildern verdunkelt |
|
In den weiteren, nicht weniger königlich ausgestatten Sälen findet der naturwissenschaftlich interessierte Aquarianer zahlreiche Wirbellose: Schnecken und Muscheln, Krebstiere, Würmer und vieles mehr.
Die Ausstellung der Fische selber beschränkt sich auf zwei Räume und sind in Knorpelfische (Haie und Rochen) und Knochenfische aufgeteilt.