Bis vor kurzem war die Pflege von Feilenfischen in einem Riffaquarium eher die Ausnahme. Dies einfach deshalb, weil sich Feilenfische of an Korallen vergreifen oder ihre Ernährung so speziell ist, dass es kaum möglich ist, sie längefristig am Leben zu erhalten.
Oxymomancanthus longirostris, der Paletten-Einstachler ist ein solcher, leider viel zu oft eingeführter Feilenfisch, dessen Ernährung auf die Polypen von Steinkorallen ausgerichtet ist (Schütte 2000; Hebbinghaus 2002). Oft eingeführt und gut haltbar hingegen ist der Schmuck-Feilenfisch Chaetodermis penicilligera (Frische, 1996). Aber diese Tiere werden mit 25 cm sehr groß.
Seit einiger Zeit ist ein neue Feilenfisch-Art zu ungeahnter Popularität gelangt. Es ist der Tang-Feilenfisch Acreichthys tomentosus. Nicht etwa weil die Art besonders farbenprächtig wäre, vielmehr ist er ein Tarnungskünstler und unterscheidet sich oft kaum von seiner Umgebung. Die Grundfarbe ist ein grün bis braun.
Der Tang-Feilenfisch ist ein ausgezeichneter Vernichter von Glasrosen aus der Gattung Aiptasia. Glasrosen sind in fast jedem Riffaquarium anzutreffen, da sie oft mit Lebenden Steinen unwissentlich eingebracht werden. Sind die Lebensbedingungen ideal vermehren sie sich rasant und können unter den Korallen erheblichen Schaden anrichtet. Acreichthys tomentosus bildet einen natürlichen Freßfeind. Die Aussagen, dass dieser Feilenfisch auch die Feueranemone Anemonia manjano vertilgt ist widersprüchlich.
Jede Medaille hat zwei Seiten. Neben Aiptasien verspeist der Tang-Feilenfisch auch Xeniiden und vergreift sich mitunter auch an anderen Leder- und Weichkorallen. Übergriffe auf Steinkorallen sind nicht beobachtet.
Die Pflege gestaltet sich einfach. Er frißt eigentlich alles was ihm angeboten wird. Neben den obligatorischen Frostfutter liebt die Art Spirulina-Flocken und das Bassleer Biofood in Granulatform. Er verträgt sich gut mit anderen Fischearten. Außer die eigene Art. Gegen diese ist er doch recht ruppig und in zu kleinen Aquarien landet der unterlegene Artgenosse früher oder später außerhalb des Aquariums. So wäre eigentlich eine solitäre Pflege anzustreben, was zumindest mir etwas wieder strebt.
Zu erwähnen ist noch, dass viele Feilenfisch-Arten nichts anderes darstellen, als verschiedene Farbvarianten von Acreichthys tomentosus. Prof. Ellen Thaler (2000) hat zu diesem Thema ausführliche Untersuchungen angestellt.
Literatur:
Frische, J. (1996): Feilenfische. DATZ 49(12), 778-779
Hebbinghaus, R. (2002): Frisst Oxymonacanthus Acropora-Polypen? DATZ. 55(3), 46-49
Thaler, E. (2000): Einer für zehn! DATZ 53(10), 28-33
Schütte, H. (2001): Erfahrungen mit dem Orangefleck-Feilenfisch. Der Meerwasseraquarianer. 5(4), 12-19
Autor: Joachim Frische (Red.: Lutz Gohr)