Ein Steinkorallen fressender Blenniide
Dass es unter den Boden bewohnenden Schleimfischen auch Nahrungsspezialisten gibt, die nicht in die Kategorie der Algenfresser zählen, mag zunächst überraschen, doch gehört der wunderschön gefärbte Leopard-Kammzähner Exallias brevis wohl zu jenen. In der Natur, so schreiben beispielsweise Eichler & Lieske (1994) zählt Exallias brevis zu den einzigen Vertretern der Boden bewohnenden Schleimfische, die sich ausschließlich auf den Verzehr von Steinkorallen spezialisiert haben. Sie schränken die Steinkorallen auf die Gruppe der Astkorallen ein und ergänzen, dass sie sich von deren Polypen ernähren.
Die Fishbase verweist darauf, dass Exallias brevis in Gemeinschaft mit Steinkorallen aus den Gattungen Acropora, Pocillopora, Seriatopora, Porites und Millepora lebt und sich von deren Gewebe ernährt.
Unter den geschilderten Voraussetzungen stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Pflege im Riffaquarium. Diese Thematik wäre nicht relevant, würde dieser Schleimfisch nicht in den letzten Jahren verstärkt eingeführt und mitunter als selten angepriesen werden.
Der Leoparden-Schleimfisch akklimatisiert sich schnell im Riffaquarium und ist gegenüber anderen Fischen friedfertig.
Es scheint, dass die Art gegenüber Artgenossen nicht so ruppig ist, wie von anderen bodenbewohnenden Schleimfischen berichtet wird (z. B. Fossa & Nilsen, 1993).
Eher treffen die Beobachtungen von z. B. Gohr (2004) zu, die berichten, dass in einem gut strukturierten Aquarium ausreichender Größe, die Pflege eines Paares Boden bewohnender Schleimfische nicht übermäßig problematisch ist. Zwar gehen sich die Schleimfische aus dem Weg, doch mitunter lassen sie sich dabei beobachten, dass sie gemeinsam fressen.
In der Zeit der Pflege, die sich auf einen Zeitraum von sechs Monaten beziffern lässt, war nicht zu beobachten, dass die Fische krank wurden, Mangelerscheinungen zeigten oder Ernährungsdefizite in der Körpergestalt (z. B. eingefallener Bauch) entstanden. Gegenüber anderen Fischen ist Exallias brevis friedlich.
Da die Tiere in dieser Zeit darauf angewiesen waren, alternative Nahrung aufzunehmen, war die spannende Frage damit verbunden, wie weit eine Nahrungsspezialisierung die Aufnahme alternativen Futters verhinderte.
Überraschend und zufriedenstellend zugleich war die Beobachtung, dass sowohl Algenaufwuchs gefressen, als auch Spirulina-Flocken akzeptiert wurden und nicht zuletzt Fischeier und – wenn auch in geringerem Maße – Mysis und Artemien gefressen wurden. Diese Beobachtungen stehen im Gegensatz zu jenen von Fossa & Nilsen (1993) die darauf verweisen, dass Exallis brevis kein Ersatzfutter akzeptiert.
Zusammenfassend lässt sich zu den Nahrungsgewohnheiten von Exallias brevis festhalten, dass die meisten Steinkorallen gefressen werden und auch entsprechende, mit Korallen in Gemeinschaft lebende Tiere, nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass die Leoparden-Schleimfische das Gewebe der Steinkorallen nicht gänzlich verzehren. Die Beobachtungen haben aber auch gezeigt, dass alle Leder- und Weichkorallen, sowie gelbe Krustenanemonen und einige wenige Scheibenanemonen aus der Gattung Discosoma unbeachtet bleiben. Eine Vergesellschaftung dieser Korallen mit Exallias brevis wäre somit möglich, wenn eine ausreichende Versorgung mit Ersatzfutter sicher gestellt werden kann. Dies ist leicht formuliert, in der Realität aber schwer umzusetzen, da die stark proteinreichen Fischeier die Wasserqualität bald schwinden lassen und ein hoher technischer Aufwand zum Erhalt geeigneter Wasserreinheit betrieben werden muss.
Literatur:
Debelius, H. (1993): Fischführer Indischer Ozean. Tetra Verlag, Melle. 322 S.
Eichler, D. & Lieske, E. (1994): Korallenfische – Indischer Ozean. Jahr Verlag, Hamburg. 368 S.
Fossa, S. A. & Nilsen, A. J. (1993): Korallenriff-Aquarium Band 3. BSV-Verlag. Bornheim. 336 S.
Gohr, L. (2004): Fische für das Riffaquarium. Dähne Verlag. Ettlingen, 194 S.