Warum die Pflege der knapp 5 cm lang werdenden Griessingers Grundel als Herausforderung zu betrachten ist, hängt damit zusammen, dass all jene Aquarianer, welche
Discordipinna griessingeri pflegen, darin überein stimmen, dass es sich bei dieser Grundel um eine ausgesprochen scheue, versteckt lebende Art handelt, die selbst in kleinen Aquarien bei entsprechender Dekoration nur sporadisch ihren Unterschlupf verlässt (z. B. Pfleiderer 2004, Schmiedel 2006).
Discordipinna griessingeri trägt den englischen Namen Spikefin Goby, was soviel bedeutet wie Stachelflossen-Grundel. Dieser Name leitet sich von der stark verlängerten ersten Rückenflosse ab, welche einem Stachel oder langem Nagel ähneln soll. Der deutsche Trivialname „Griessingers-Grundel“ passt besser und wurde von Hoese & Fourmanoir 1978 zu Ehren Mr. S. Griessingeri verliehen, welcher die Paratypen zu Discordipinna griessingeri gefangen hat.
Ihr Lebensraum findet sich zwischen lebenden Korallen, Geröll und Sand. Eine Lebensgemeinschaft mit Garnelen in Höhlen ist bisher nicht dokumentiert. Vielmehr siedelt die Grundel unter Steinen.
Bleibt noch zu ergänzen, dass die Art in der Fishbase als auch von Kuiter & Debelius (2006) als monotypisch beschrieben ist. Ein Zustand der sich sicherlich demnächst ändern wird, denn bei der Recherche im Internet stieß ich auf ein Bild von Mitsuaki Takata, das eine weitere, noch unbeschriebene Grundel zeigt, die in diese Gattung durchaus eingegliedert werden könnte.
Im Juni 2006 bot sich mir die Gelegenheit ein Pärchen zu kaufen, das zu einem vergleichsweise zivilen Preis angeboten wurde. Beide Tiere maßen etwa 2 cm und saßen bereits sechs Wochen in der Verkaufsanlage. Ernährt wurden die Tiere mit lebenden Nauplien, Bosmiden, Fischeiern und selbst kleine gefrorene Artemia salina wurden gefressen, was eine Probefütterung zeigte. Dass die Aufnahme von Ersatznahrung nicht generell vorauszusetzen ist, belegen Angaben von Pfleiderer (2003), der darauf hinweist, dass lediglich lebende Nauplien gefressen wurden und auch Schmiedel (2006) beschreibt in seinen Ausführungen, dass er bis heute nicht weiß, was sein Pärchen Discordipinna griessingeri frisst, da er sie in seiner bis dato zweijährigen Pflege noch nie bei der Nahrungsaufnahme beobachtet hat.
Die scheue Griessingers Grundel ist eine im Verborgenen lebende charismatische Schönheit, die sich nur selten ihrem Betrachter zeigt. Dieses Verhalten lässt sich sowohl in kleinen Aquarien mit den Maßen 80 x 40 x 40 cm (Schmiedel 2006), als auch in einem 800 Liter Aquarium beobachten. Ständig zu sehen wäre sie nur in einem kleinen Aquarium ohne entsprechende Dekoration. Eine Hälterung die ich nicht unterstützen würde, da sie nicht artgerecht ist und die gestresste Grundel keine natürlichen Verhaltensweisen zeigen würde.
Da diese Grundel aber territorial zu leben scheint, bleibt zumindest der Trost, dass der Aquarianer weiß, wo die kleinen Tiere auftauchen müssten, so sie denn einmal das Bedürfnis haben, ihren Unterschlupf zu verlassen.
Literatur:
Baensch, H. A. & Debelius, H. (1992): Meerwasser-Atlas – Band 1. Mergus Verlag, Melle. 1216 S.
Frische, J. (2004): „Kobolde im Korallenwald“ . Der Meerwasseraquarianer 8(1), 52-58.
Frische, J. (2006): "Unsichtbare Kostbarkeiten” - Discordipinna griessingeri. Teil 1 Aqualog News No.73, 16-18
Frische, J. (2007): “Unsichtbare Kostbarkeiten” - Discordipinna griessingeri Teil 2 Aqualog News No.74, 16-18
Hoese, D. F. & Fourmanoir, P. (1978): Discordipinna griessingeri, a New Genus and Species of Gobiid Fish from the Tropical Indo-West Pacific. Japanese Journal of Ichthyology 25(1), 19-25.
Kuiter, R. H. & Debelius, H. (2006): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag. Stuttgart. 720 S.
Pfleiderer, J. (2004): Griessingers-Grundel – eine extrem „rare“ Rarität. Der Meerwasseraquarianer 8(1), 7.