Viele Aquarianer kennen diese Art noch unter dem Namen Lienardella fasciatus. Randall (pers. Mittlg.) verweist in seiner Antwort auf die Frage, warum Lienardella als Synonym von Choerodon geführt wird, darauf, dass systematische Untersuchungen von Martin Gomon, den Status der eigenen Gattung Lienardella nicht erlauben.
In den Korallenriffen seiner Vorkommensgebiete lebt Choerodon fasciatus in Tiefen zwischen 1 bis 15 m eher versteckt. Die Areale sind großflächig und werden nach Angaben verschiedener Autoren solitär besiedelt. Jungtiere unterschieden sich zwar in Teilen der Färbung, wie beispielsweise durch auffällige Augenflecken vor allem in der hinteren Rücken- und Analflosse und im vorderen Bereich der Rückenflosse. Das Grundmuster in der Färbung ist allerdings sowohl bei Jung- als auch bei Alttieren ähnlich: Orangene Längstreifen von unterschiedlicher Breite unterbrechen einen weiß-farbigen Körper. Es ist demnach nicht damit zu rechnen, dass die Jungtiere von den territorialen Alttieren als artfremd erkannt und dementsprechend unbeachtet bleiben, wie dies beispielsweise auf die Arten aus der Gattung Pomacanthus zutrifft.
Es ist hinlänglich bekannt, dass der Geschlechtswechsel eine bei Lippfischen übliche Methode der Partnerbildung ist (z. B. Kuiter 2002), so ist davon auszugehen, dass auch der Harlekin-Lippfisch diese Fähigkeit besitzt.
Macht sich der Meerwasseraquarianer zur Aquarienpflege von Choerodon fasciatus kundig, wird er schnell in Erfahrung bringen, dass es sich bei diesem Lippfisch um eine robuste Art handelt. Fenner (2003) beschreibt den Harlekin-Lippfisch als Fleischfresser, der alles konsumiert, was fressbar erscheint. Außerdem bescheinigt er ihm ein aggressives Gemüt gegenüber Fischen, die kleiner sind als er.
Ein von mir gepflegtes Exemplar lebte über viele Jahre in zwei Meerwasseraquarien. Zunächst in dem oft vorgestellten 1500 Liter fassenden L-Aquarium und seit August des Jahres 2004 in einem 800 Liter fassenden Rechteck-Aquarium, welches durch einen Umzug das L-Aquarium abgelöst hat.
In keinem der beiden Aquarien konnte ich beobachten, dass Choerodon fasciatus aggressiv gegen kleine Fische gewesen wäre. Dies schließt die Grundel Gobiodon histrio ebenso ein, wie den Schleimfisch Ecsenius gravieri. Nicht sonderlich begeistert ist Choerodon fasciatus von Chelmon rostratus. Gerade im ersten Jahr der Pflege gab es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Fischarten. Die Ursache der Aggression führe ich auf die ähnliche Färbung zurück.
Wie bereits angemerkt, lebt Choerodon fasciatus in einem Riffaquarium, welches mit vielen Lederkorallen und einigen kleinpolypigen Steinkorallen besetzt ist, die der Fisch unbehelligt lässt. Gefressen allerdings werden Krustentiere jeder Art.
Da sich Choerodon fasciatus des nächtens nicht eingräbt, ist die Beschaffenheit des Bodengrundes für die Pflege dieses Lippfisches ohne Belang. Er bevorzugt Höhlen!
Fazit:
Die Akklimatisierung in einem Korallenriff-Aquarium bereitet keine Probleme. Übergriffe auf Korallen sind nicht zu befürchten, jedoch ist durch den hohen Stoffwechselumsatz mit einer Wasserbelastung zu rechnen, die es mit entsprechender Technik zu bewältigen gilt. Empfehlungen, diesen Fisch gelegentlich hungern zu lassen (Fenner 2003), führen sicherlich dazu, dass kleine Fische attackiert werden, weshalb ich von dieser Praxis dringend abrate. Gefressen werden allerdings Krustentiere, Wurmartige und wohl auch mitunter Seeigel.
Literatur:
Eichler, D. & Myers, R. F. (1997): Korallenfische Zentraler Indopazifik. Jahr Verlag, Hamburg. 490 S.
Fenner, R. (2003): Choerodon fasciatus ? Der Harlekin-Lippfisch ist ein Blickfang im Fischaquarium. Das Aquarium 37(12), 42-46
Kuiter, R. H. (2002): Lippfische. Ulmer Verlag, Stuttgart. 208 S.