Die Lippfische werden sehr selten in Aquarien gehalten. Ein interessanter Bericht hierüber ist im Aquanet von Joachim Frische erschienen, dessen Inhalt natürlich auch teilweise in diesen Text eingeflossen ist.
Große Unterschiede sind in der farblichen Gestaltung der Jung- und Alttiere vorhanden. Während die Jungfische überwiegend schwarz - weiß gefärbt sind, erscheint das ausgewachsene Tiere eher graublauweiß. Charakteristikum aller Arten der Gattung Hemigymnus (Günther, 1861) ist das Maul mit den wulstigen Lippen. Auch die bullige Körperform kann als Erkennungsmerkmal herangezogen werden. So ist die zweite Art dieser Gattung Hemigymnus fasciatus - zu deutsch Streifen-Bannerlippfisch - einfach zu erkennen. Diese Art ist mit rund 50 cm ausgewachsen. Hemigymnus sexfasciatus wird von Kuiter (2002), als dritte Art in dieser Gattung beschrieben.
Jungfische leben in der Gruppe zwischen Korallenästen, wobei sie demersale Invertebraten als Hauptfutter betrachten. Alttiere durchstreifen als Einzelgänger die Sandflächen und Geröllhalden der Korallenriffe auf der Suche nach Freßbarem. Als Hauptnahrung in der Natur dienen Wirbellose wie Würmer, Schlangensterne, Krebs- und Weichtiere.
Der Speiseplan ist abwechslungsreich und vielseitig, so dass es im Aquarium kein Problem ist, die Art auf Ersatznahrung in Form der obligatorischen Frostfuttersorten und Trockenfutter umzustellen.
Auch die Vergesellschaftung mit sessilen Blumentieren kann nach mehr als zweijähriger Pflege als problemlos und ohne Einschränkung empfohlen werden.
Zusammenfassend kann der Zweifarbige Lippfisch Hemigymnus melapterus für die Pflege in einem Riffaquarium als geeignet eingestuft werden, wobei allerdings die zu erwartende Größe als unsichere Komponente nicht vernachlässigt werden darf und Joachim Frische deshalb die Empfehlung von einem Mindestvolumen oberhalb der 5000 Liter ausspricht.